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Glücksspiel und Glücksspielsucht bei Jugendlichen

  • Jugendblick Team
  • vor 2 Tagen
  • 4 Min. Lesezeit

Verbreitung des Glücksspiels:

Laut suchtschweiz.ch haben 2022 etwa 4,3 % der Schweizer Bevölkerung ab 15 Jahren ein problematisches Spielverhalten. Rund ein Drittel hat noch nie gespielt, und knapp zwei Drittel spielen nur risikolos. Glücksspiel umfasst dabei alle Wett- und Lotto‑Spiele mit Geldeinsatz. Typische Formen sind zum Beispiel Roulette, Poker, Black Jack (Casino­spiele), Lotterien (Zahlenlotto, Rubbellose), Geldspielautomaten sowie Sport- und Pferdewetten. Oft wird Glücksspiel fälschlich mit Geschick oder Strategie verbunden, tatsächlich hängt das Ergebnis aber fast immer vom reinen Zufall ab.


Was ist Glücksspielsucht? Glücksspiel­abhängigkeit ist eine anerkannte Verhaltenssucht. Betroffene verspüren ein unaufhaltsames Verlangen zu spielen und können auch nach hohen Verlusten nicht damit aufhören. Typische Anzeichen sind etwa eine innere Unruhe und Nervosität, wenn man nicht spielen kann, sowie ständiges Grübeln über das Spiel. Übliche Merkmale im Berufs- und Privatleben sind, dass Verpflichtungen vernachlässigt werden und oft gelogen wird, um weiterzocken zu können. Im schlimmsten Fall kann eine Glücksspielabhängigkeit schlimme Folgen haben. Betroffene geraten häufig in eine so tiefgreifende Verschuldung, dass sie ihre finanziellen Verpflichtungen nicht mehr bewältigen können. Diese belastende Situation führt nicht selten zu sozialer Isolation, die in extremen Fällen sogar zu Suizidgedanken oder -handlungen führen kann.


Verfügbarkeit und Werbung (Besonders online)

Online-Glücksspiel ist jederzeit und überall zugänglich: Man muss keine Spielhalle mehr betreten, um Lotto oder Casino­spiele zu spielen. Mit Smartphones und Kreditkarte können Kinder und Jugendliche rund um die Uhr mit wenigen Klicks spielen. Viele Anbieter, wie mycasino.ch oder jackpots.ch, locken mit Gratis-Guthaben und Demo-Spielen, die fälschlich hohe Gewinnwahrscheinlichkeiten versprechen und jungen Spielern den Eindruck geben, sie hätten „Glücksspiel-Talent“. Dabei gaukeln sogar Online-Casinos und Gamer-Apps mit altersgemäßer Gestaltung ein harmloses Umfeld vor, die Regeln des echten Spiels bleiben jedoch dieselben.

Hinzu kommt aggressive Werbung: Jugendliche zwischen 16 und 18 Jahren sind in der realen und digitalen Welt ständig Glückspielreizen ausgesetzt. In einer Genfer Studie zählten Forscher auf typischen Alltagswegen 200 Werbeanreize (Plakate, Sponsoring etc.) – zusätzlich sammelten Jugendliche in nur 91 Stunden Online-Surfen 211 Glücksspiel‑Hinweise (Links, Banner, Influencer-Beiträge).


Die Quellen der Werbung sind vielfältig: Sie reichen von legalen Schweizer Anbietern über Social‑Media‑Influencer, die das Glücksspiel als Lifestyle darstellen, bis hin zu illegale ausländische Seiten ohne Jugendschutz. Besonders problematisch ist dabei die unzureichende Alterskontrolle im Internet: Influencer verharmlosen Risiken, und Minderjährige können sich durch falsche Altersangaben problemlos anmelden. Auch Sportwettenwerbung setzt bei jungen Menschen an. Manchmal wird suggeriert, der Sieg hänge vom Können ab, obwohl Wetten rein glücksabhängig sind.


Gefahren und Auswirkungen bei Jugendlichen

Jugendliche sind besonders gefährdet: Ihre Impulskontrolle ist noch nicht voll entwickelt, weshalb sie Gewinnversprechen oft schwer widerstehen können. Aktuelle Studien zeigen, dass ein erheblicher Anteil an Jugendlichen Glücksspiel spielt und zum Teil problematische Muster entwickelt. Beispielsweise gaben in einer Befragung 30 % der 16–17‑Jährigen im Kanton Bern an, im letzten Jahr Glücksspiel betrieben zu haben. Unter ihnen spielten 69,6 % vor allem Lotterien (Zahlenlotto/Rubbellose), 35,4 % eher in Bars (kleine Glücksspielautomaten) und 20,3 % im Casino.

Männer sind deutlich öfter betroffen: In derselben Studie spielten 40,3 % der Jungen regelmäßig, aber nur 20,3 % der Mädchen. Entsprechend ist der Anteil an gefährdeten oder süchtigen Jugendlichen bei Jungs höher (bei den Jungen waren 6,3 % “gefährdet” und 3,5 % “spielsüchtig”, bei den Mädchen nur 1,4 % bzw. 0,6 %). Auch andere Erhebungen belegen das Risiko: In der Schweiz zeigt die Gesundheitsbefragung 2022, dass 6,1 % der 15–24‑Jährigen bereits riskant oder pathologisch spielen. Jüngere Erwachsene (20–24 Jahre) sind dabei am stärksten betroffen unter 15–19‑Jährigen liegt der Anteil deutlich tiefer.

In problematischen Fällen wirken sich die Folgen gravierend aus. Viele jugendliche Süchtige melden Konflikte und negative Konsequenzen: Rund 15 % der Betroffenen gaben an, durch ihr Spielen eine Beziehung zu verlieren, etwa 10–12 % gerieten in Streit um Kreditkarten, Taschengeld oder sogar mit der Polizei. Fast die Hälfte der problematischen Spieler gab an, mehr als 100 Franken pro Monat zu setzen, um Verluste auszugleichen. Nicht zuletzt ist bei Online-Spielern das Risiko besonders hoch: Unter Jugendlichen, die im Internet zocken, fanden Forscher 32 % gefährdete und 25,7 % suchtkranke Spieler, deutlich mehr als bei jungen Offline-Spielern.

All diese Befunde zeigen: Was harmloses Spielen sein soll, kann für junge Menschen schnell zur Sucht werden. Geldverlust, Schulden, Konzentrationsstörungen, Lügen und soziale Rückzüge sind Warnsignale. Betroffene vernachlässigen Hobbys und Freunde und versuchen immer wieder, Verluste durch erneutes Spielen auszugleichen.


Was Eltern tun können

Haben Eltern den Verdacht auf ein Glücksspiel-Problem ihres Kindes, ist schnelle Hilfe wichtig. Zuerst sollten sie Ruhe bewahren und das Gespräch suchen: Interesse am Alltag zeigen, ohne zu beschämen. Gemeinsam kann man die Wahrscheinlichkeiten von Gewinnen besprechen und klarstellen, dass Casinos und Lotterien langfristig immer Geld verlieren lassen. Eltern sollten früh Regeln setzen: zum Beispiel keine Spiele mit Geldeinsatz auf dem Handy erlauben, Kreditkarten-Zugriff sperren und Zeiten fürs Gaming begrenzen (z.B. mit Jugendschutz-Einstellungen).

Praktische Tipps im Alltag sind: Informationsangebote zusammen anschauen, alternative Freizeit­aktivitäten fördern und den Umgang mit Taschengeld besprechen. Dabei kann es helfen, wenn Eltern selbst als Vorbild agieren (keine heimlichen Wetten, offener Umgang mit Geld). Technik unterstützt Eltern dabei: Spiele-Apps und Smartphones erlauben oft Einschränkungen (Limits für Ausgaben, Altersfilter) – ein Branchen­sprecher der Gaming-Industrie erinnert daran, dass Eltern in der Verantwortung stehen und technische Schutzfunktionen nutzen sollten. Bei klar erkennbaren Problemen (z.B. heimliche Ausgaben, Schulschwierigkeiten) empfiehlt es sich, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

In der Schweiz gibt es spezialisierte Beratungsstellen und Hilfsangebote (zum Beispiel unter sos-spielsucht.ch oder der Telefon-Hotline 0848 000 181). Auch die anonyme Beratungshotline 147 und Online-Plattformen für Jugendliche (z.B. jugend-beratung.ch oder 147.ch) bieten Unterstützung. Wichtig ist: Je früher man aktiv wird, desto besser lassen sich Schäden begrenzen. Eltern sollten sich trauen, das Thema offen anzusprechen und Unterstützung zu suchen. Gemeinsam kann man Wege aus der Sucht finden.




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