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Influencer & OnlyFans: Was Jugendliche sehen und was Eltern wissen müssen

  • Jugendblick Team
  • 7. Sept. 2025
  • 4 Min. Lesezeit

Wie Influencer die Übersexualisierung auf Social Media vorantreiben

Kein anderes Phänomen hat die Sexualisierung auf Social Media so stark geprägt wie der Aufstieg von Influencern. Millionen Jugendliche folgen täglich Menschen, die ihren Körper, ihren Lebensstil und ihre Sexualität als Produkt vermarkten. Was für Erwachsene wie freie Selbstbestimmung wirken mag, hat auf 13 bis 18-Jährige eine ganz andere Wirkung: Es vermittelt ihnen, dass Erfolg, Attraktivität und gesellschaftlicher Wert untrennbar mit Sexualisierung verbunden sind.

Influencer wie Belle Delphine, Ari Kytsya, Sophie Rain oder Jack Doherty sind keine Ausnahmen. Sie sind Symptome eines Systems, das Sexualisierung belohnt und normalisiert. Ihre Reichweiten gehen in die Millionen, ihr Einfluss auf Jugendliche ist enorm, und die Botschaft die sie senden ist klar: Wer sich sexualisiert präsentiert, wird reich, berühmt und bewundert.


Was Influencer vermitteln und warum es gefährlich ist

Das Gefährliche an diesen Influencern ist nicht nur der Inhalt, den sie produzieren. Es ist die Botschaft die dahintersteckt. Sie zeigen nur die Sonnenseite: Luxusvillen, teure Autos, scheinbar müheloses Einkommen und ständige Bewunderung. Was sie nicht zeigen: psychische Belastungen, Abhängigkeiten, Risiken und die Tatsache dass der überwiegende Teil der Menschen die diesen Weg einschlagen scheitert.

Jugendliche die täglich solche Inhalte konsumieren, entwickeln ein verzerrtes Bild von Erfolg und Sexualität. Sie lernen unbewusst: Mein Körper ist mein Kapital. Wer sich sexualisiert darstellt, bekommt Aufmerksamkeit und Anerkennung. Das beeinflusst ihre Selbstwahrnehmung, ihre Beziehungen und ihre Lebensplanung nachhaltig.



Belle Delphine (25)

Belle Delphine startete 2015 auf Instagram mit Cosplay-Videos und Musikinhalten. Schnell

erkannte sie, dass provokante und sexualisierte Inhalte mehr Aufmerksamkeit generierten, und begann, ihre Strategie entsprechend anzupassen. Ihre Followerzahl auf Instagram wuchs auf 4,5 Millionen. Parallel dazu baute sie eine Patreon-Seite auf, über die Fans für exklusive Bilder und private Inhalte zahlen konnten.

2019 wurde sie von Instagram gesperrt, nachdem sie ihr sogenanntes "Badewasser" über die Plattform verkaufte und damit viral ging. Der Vorfall zeigt exemplarisch wie weit die Grenzen auf Social Media inzwischen verschoben sind. Nach einer kurzen Pause kehrte sie 2020 zurück, diesmal mit einem OnlyFans-Account über den zahlende Nutzer Zugang zu pornografischen Inhalten erhielten.

Belle Delphine gilt heute als eine der prägendsten Figuren die den Trend zu sexualisierten Inhalten auf Social Media und die Popularisierung von OnlyFans mitgestaltet haben. Für viele Jugendliche ist sie ein Vorbild, nicht wegen ihrer Werte, sondern wegen ihres scheinbaren Erfolgs.



Ari Kytsya (24)


Ari Kytsya, bürgerlicher Name Ariel Danyluk, begann ihre Social-Media-Karriere mit Schmink-Videos und Model-Auftritten. Früh eröffnete sie einen OnlyFans-Account und begann, offen über ihre Arbeit in der Erotikbranche zu sprechen.

Was sie besonders problematisch macht: Sie vermittelt aktiv den Eindruck, dass ihre Arbeit einfach, glamourös und risikolos ist. In ihren Videos spricht sie offen darüber, Pornoinhalte zu produzieren, beschreibt Details und präsentiert das alles als normalen Beruf. Gleichzeitig dokumentiert sie regelmässig ihre zahlreichen Schönheitsoperationen und suggeriert damit, dass körperliche Veränderungen selbstverständlich und erstrebenswert sind.

Ihr luxuriöser Lebensstil, dokumentiert durch teure Reisen, Designer-Kleidung und prominente Bekanntschaften wie den Rapper Yung Gravy, wirkt auf junge weibliche Zuschauerinnen als starkes Vorbild. Die Risiken und die psychische Belastung hinter diesem Lebensstil bleiben dabei völlig unsichtbar.


TikTok-Video der Influencerin Ari Kytsya, in dem sie offen darüber spricht, dass sie einen Pornofilm drehen wird und welche Inhalte darin vorkommen sollen.
TikTok-Video von Ari Kytsya in dem sie über einige ihrer Schönheitsoperationen redet.

Sophie Rain (20)



Sophie Rain ist eines der eindrücklichsten Beispiele dafür wie schnell der Weg von Social Media zu OnlyFans verlaufen kann. Sie stammt aus einfachen Verhältnissen, hatte Schwierigkeiten auf dem regulären Arbeitsmarkt Fuss zu fassen und begann früh, sich auf Social Media zu zeigen.

Ihr Aufstieg verlief rasant. 2024 erlangte sie durch eine Kollaboration mit dem Rapper NLE Choppa grosse Aufmerksamkeit. Ende 2024 gründete sie gemeinsam mit anderen OnlyFans-Models die sogenannte "Bop House", eine Wohngemeinschaft die ausschliesslich zum Produzieren von OnlyFans-Inhalten gegründet wurde. Im Jahr 2024 verdiente Sophie Rain über 45 Millionen US-Dollar mit OnlyFans.

Diese Zahl klingt für Jugendliche wie ein Jackpot. Was sie nicht sehen: Für jeden Erfolg wie Sophie Rain gibt es Tausende die denselben Weg einschlagen und scheitern, mit dauerhaften psychischen Schäden, zerstörten Beziehungen und einem digitalen Fussabdruck der nie verschwindet.


Jack Doherty (21)


Jack Doherty begann seine Social-Media-Karriere mit harmlosen Inhalten: Flips, Trickshots und Pranks auf YouTube. Nach der Highschool widmete er sich vollständig seinen Kanälen und baute eine grosse Anhängerschaft auf.

2023 begann er eine Beziehung mit einem OnlyFans-Model, was ihn auf die Idee brachte, eine eigene Agentur für OnlyFans-Models zu gründen. Er managte Models, verdiente an ihren Einnahmen und zeigte seinen daraus resultierenden Luxuslebensstil offen auf seinen Kanälen. Teure Autos, Villen und ein Leben ohne sichtbare Grenzen, all das präsentierte er als direkte Folge seiner Verbindung zur Erotikbranche.

Sein Fall ist aus Elternperspektive besonders aufschlussreich, weil er zeigt wie nahtlos der Übergang von harmlosem Content zu sexualisierter Vermarktung verlaufen kann. Jugendliche die ihm folgten, sahen diesen Übergang als normal und erstrebenswert. Am Ende verlor er jedoch seinen Einfluss, seine Models und seine öffentliche Präsenz.


TikTok-Video von Jack Doherty, in dem er seinen exzessiven Lebensstil offen präsentiert und zur Schau stellt.
TikTok-Video von Jack Doherty, in dem er gemeinsam mit OnlyFans-Models in seiner Villa seinen Reichtum auf unterhaltsame und provokative Weise zur Schau stellt.

 

Was Eltern tun können

Die hier beschriebenen Influencer sind kein Randphänomen. Sie sind Teil des täglichen Medienkonsums von Millionen Jugendlichen in der Schweiz und weltweit. Ihr Einfluss ist real und ihre Botschaften hinterlassen Spuren.

Als Elternteil müssen Sie diese Namen nicht kennen, aber Sie sollten wissen dass solche Inhalte existieren und dass Ihr Kind ihnen wahrscheinlich bereits begegnet ist. Ein offenes Gespräch ohne Verurteilung ist der erste und wichtigste Schritt. Fragen Sie Ihr Kind welchen Influencern es folgt und warum. Zeigen Sie Interesse, anstatt zu verbieten. Das schafft Vertrauen und öffnet die Tür für ehrliche Gespräche über die Welt die Ihr Kind täglich konsumiert.

 
 
 

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