Snapchat
- Jugendblick Team
- 31. Mai 2025
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 3. Juli
Snapchat: Die App die Nachrichten "verschwinden" lässt und warum das gefährlich ist
Snapchat ist bei Jugendlichen eine der beliebtesten Apps überhaupt. Die Idee dahinter klingt harmlos: Fotos und Videos die sich nach kurzer Zeit selbst löschen. Doch genau dieses Versprechen der Flüchtigkeit macht Snapchat zu einer der riskantesten Plattformen für Jugendliche. Was "weg" ist, ist oft nicht wirklich weg.
Wie funktioniert Snapchat?
Snaps sind Fotos oder Videos die an einzelne Kontakte gesendet werden. Der Empfänger kann sie nur einmal ansehen, danach verschwinden sie. Zumindest theoretisch.
Stories sind Beiträge die 24 Stunden lang für alle Kontakte sichtbar sind. Ähnlich wie bei Instagram können hier Alltagsmomente geteilt werden.
Snapdays und Flammen sind eines der cleversten und gleichzeitig problematischsten Features von Snapchat. Wenn zwei Personen sich täglich Snaps schicken, entsteht eine Flamme die anzeigt wie viele Tage man bereits hintereinander Kontakt hatte. Für Jugendliche wird diese Flamme schnell zu einem sozialen Status-Symbol. Das Aufrechterhalten der Flamme erzeugt Druck und kann dazu führen dass Jugendliche auch dann Snaps schicken wenn sie es eigentlich nicht wollen, nur um die Flamme nicht zu verlieren.
Freundschafts-Emojis zeigen wie eng die Verbindung zu anderen Nutzern ist. Ein rotes Herz bedeutet zum Beispiel dass zwei Personen sich seit mindestens zwei Monaten täglich gegenseitig die meisten Snaps senden. Diese sichtbare Bewertung von Freundschaften kann bei Jugendlichen zu Eifersucht, sozialem Druck und Ausgrenzung führen.
Filter und Lenses sind Augmented-Reality-Effekte die das Gesicht oder die Umgebung verändern. Viele davon sind harmlos und kreativ. Einige jedoch verschönern das Gesicht stark und vermitteln unrealistische Schönheitsideale, was das Körperbild von Jugendlichen negativ beeinflussen kann.
Snapmap zeigt den genauen Standort von Kontakten auf einer Karte in Echtzeit. Das klingt praktisch, ist aber ein erhebliches Sicherheitsrisiko. Fremde die sich ins Kontaktbuch geschlichen haben, können so den genauen Aufenthaltsort eines Kindes verfolgen.
Gefahren von Snapchat
Das Versprechen der Flüchtigkeit ist eine Illusion
Das grösste Missverständnis bei
Snapchat: Snaps verschwinden nicht wirklich. Sie können durch Screenshots oder durch das Abfotografieren mit einem zweiten Gerät dauerhaft gespeichert werden. Jugendliche die intime oder sexualisierte Bilder schicken, weil sie glauben diese seien "weg", riskieren dass diese Inhalte dauerhaft gespeichert und weitergeleitet werden. Das ist einer der häufigsten Wege wie sogenanntes "Sexting" bei Jugendlichen zu Problemen führt.
Snapmap: Wo ist mein Kind gerade? Die Standortfreigabe über die Snapmap ist standardmässig aktiv. Das bedeutet dass alle Snapchat-Kontakte den genauen Aufenthaltsort eines Kindes in Echtzeit sehen können. Besonders problematisch ist das, weil Jugendliche oft auch Personen in ihrer Kontaktliste haben die sie im echten Leben kaum oder gar nicht kennen.
Keine zuverlässige Alterskontrolle Snapchat ist ab 13 Jahren freigegeben. Eine echte Alterskontrolle gibt es jedoch nicht. Jüngere Kinder können sich problemlos mit einem falschen Geburtsdatum registrieren und haben sofort vollen Zugriff auf alle Funktionen.
Sozialer Druck durch Belohnungssysteme Flammen, Emojis und Snapdays machen Freundschaften und Aktivität sichtbar und bewertbar. Für Jugendliche die ohnehin in einer sensiblen Phase ihrer sozialen Entwicklung sind, kann das enormen Druck erzeugen. Das Selbstwertgefühl wird an digitale Kennzahlen geknüpft, was langfristig das psychische Wohlbefinden beeinträchtigen kann.
Datenschutz: Was Snapchat alles sammelt Snapchat sammelt eine grosse Menge persönlicher Daten: Name, Nutzername, E-Mail-Adresse, Geburtsdatum, Kontakte aus dem Adressbuch, Standortdaten, Fotos, Kamera- und Mikrofonzugriff sowie Geräteinformationen. Da Snapchat ein amerikanisches Unternehmen ist, gelten andere Datenschutzstandards als in Europa. Eltern sollten sich bewusst sein welche Daten ihre Kinder einer amerikanischen Plattform anvertrauen.
Werbung die sich nicht ausblenden lässt Werbung ist auf Snapchat allgegenwärtig und kann nicht deaktiviert werden. Viele Filter und Lenses sind gesponsert. Drittanbieter können über Snapchat Daten über das Nutzungsverhalten sammeln.
Tipps für ein sicheres Snapchat-Erlebnis
Snaps sind nicht wirklich weg Erklären Sie Ihrem Kind klar und deutlich: Alles was du schickst, kann gespeichert werden. Fotos und Videos die einmal verschickt wurden, können im Internet landen und dort für immer bleiben. Besprechen Sie gemeinsam welche Inhalte wirklich verschickt werden sollten.
Snapmap ausschalten oder einschränken Überprüfen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind die Standorteinstellungen. Der sicherste Modus ist "Geistermodus", also vollständig unsichtbar. Falls Ihr Kind den Standort mit engen Freunden teilen möchte, stellen Sie sicher dass nur wirklich bekannte Personen in der Kontaktliste sind.
Richtiges Alter angeben und Einstellungen prüfen Gehen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind durch die Kontoeinstellungen und stellen Sie sicher dass das richtige Alter angegeben ist. Erklären Sie warum Altersbeschränkungen existieren und was sie schützen sollen.
Familien Center nutzen Snapchat bietet ein Familien Center an über das Eltern die Aktivitäten ihres Kindes begleiten können. Dort können Kontakte eingesehen, Inhaltseinschränkungen gesetzt und die Nutzungszeit überblickt werden.
Digitalen Selbstwert stärken Sprechen Sie mit Ihrem Kind über Flammen, Emojis und Follower-Zahlen. Helfen Sie ihm zu verstehen dass diese Zahlen nichts über den echten Wert einer Freundschaft aussagen. Ein Kind das seinen Selbstwert nicht an digitale Kennzahlen knüpft, ist deutlich widerstandsfähiger gegenüber sozialem Druck auf Social Media.
Datenschutz gemeinsam besprechen Gehen Sie gemeinsam durch die Datenschutzeinstellungen und schränken Sie den Zugriff auf Kamera, Mikrofon und Standort auf das Notwendige ein. Erklären Sie Ihrem Kind verständlich warum persönliche Daten wertvoll sind und warum man sie nicht leichtfertig teilen sollte.



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